Traumzeit-Festival Duisburg 2005
 
  Katja Kölle  
 

Katja Kölle, geboren 1955 in Hamburg, studierte von 1975 bis 1978 Malerei, Visuelle Kommunikation und Kunst- wissenschaft an der Hochschule der Bildenden Künste in Hamburg und von 1978 bis 1983 an der Kunstakademie Düsseldorf sowie Musik an der Universität Wuppertal. Seit 1979 komponiert sie und entwickelt Farb-Ton-Projekte, audio- visuelle Installationen und Klangobjekte. Kölle, die in Viersen lebt und sich seit 1992 hauptsächlich ortsbezogenen Installationen widmet, ist Preisträgerin des Deutschen Klangkunst-Preises 2004.









Improvisation - ortsbezogene Installation mit Licht, Klang und Duft für die Pumpenhalle im Dampfgebläsehaus, Landschaftspark Duisburg-Nord

Zum Ort
Das großflächige Industrieensemble des ehemaligen Stahlwerks Eisenhüttenwerk Meiderich“ wurde nach seiner Stilllegung 1985 zum „Landschaftspark Duisburg-Nord“. Bepflanzungen und „Zurückeroberungen durch die Natur“ ließen ein eigenartiges Areal der Industriegeschichte / Industrieromantik, einen Erlebnispark mit umgebauten Werkshallen-Spielstätten, entstehen, der an Wochenenden abends mit rotem, grünem und blauem Farblicht illuminiert wird. Unmöglich für mich, diesen aufgeladenen Ort nur als Ausstellungskulisse zu nutzen... Mich interessiert es, durch unterschiedliche Sinnesreize den Wandel zu thematisieren, mit etwas Licht, Klang und Duft.

Kühlwasserkreislauf von Hochofen 1 und 2 Für die Hochöfen 1 und 2 wurde das notwendige Kühlwasser mit elektrisch betriebenen Kreiselpumpen vom Pumpenhaus zum Hochofen befördert, um durch eine gleichmäßige Kühlung die Durchschmelzung der Hochofenummantelung zu verhindern. Das aufgeheizte Wasser wurde zur Abkühlung ins Kühlwerk und von dort wieder zum Pumpenhaus geleitet.

Zur Installation
Im Pumpenhaus fand ich in einem dunklen Nebenraum eine noch erhaltene Kreiselpumpe, die das materielle Gegenüber zu meiner immateriellen Installation darstellt.

Licht
Die eher unbunte Lichtinstallation ist eine Doppelprojektion auf die Kreiselpumpe. Als Standbild werden Schienen und Verstrebungen des Schrägaufzugs von Hochofen 5 projiziert. Ca. 45° dazu werden Videosequenzen von fließendem Wasser übertragen. (Der Rhein-Ruhr-Hafen (duisport) ist heute der größte Binnenhafen Europas.)

Klang
Die ehemals lauten Produktionsstätten des Stahlwerks sind verstummt. Erhaltungsmaßnahmen, wie das Entrosten mit Sandstrahl, lassen die stählernen Ungetüme wieder lautstark werden. Ich konnte diesen ohrenbetäubenden Lärm bei meinen Erkundungen aufnehmen. Er ist das Ausgangsmaterial für mehrere sich gegeneinander verschiebende Klangspuren, die jetzt allerdings als „geräuschhafte Erinnerung“, als verzerrtes Echo, abgeschwächt erklingen.

Duft
Die Luft im Landschaftspark ist klar. Mit der Stillegung hat der Ort seine spezifischen giftigen, belastenden Gerüche (der Stäube, Gase und Dämpfe) verloren. Jetzt riecht es dort draußen nach frischem Grün; die leeren Hallen sind geruchsneutral. - Künstliche Aromen vermitteln vielleicht die Verwandlung des Ortes auf ihre Weise und umhüllen die Kreiselpumpe flüchtig. Sich bloß nicht benebeln lassen!



 
FROZEN - Installation mit Licht, Klang und Duft, Klangkunst Festival Unna, 2003
   
 
Parcours, KLANGNETZ - Schleswig - Holstein, Stadtgalerie Kiel, 2002
   
 
Stimmen-Laute, KLANGNETZ - Schleswig - Holstein, Schleswig, 2002