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Skulpturen fürs Ohr Einführung in die Klangkunst-Präsentation der SoundART 2004 Auf den nachfolgenden Seiten präsentieren sich die zwölf Klangkünstler des Deutschen Klangkunst-Preises, die in der SoundART 2004 aktuelle Arbeiten vorstellen.
„Plastik hört man, bevor man sie sieht. Das Ohr ist ein Als Joseph Beuys zu Beginn der siebziger Jahre diesen progressiven Gedanken äußert, spricht von Klangkunst noch niemand. Es dauert noch gut ein Jahrzehnt, ehe für die ästhetischen Konzeptionen im Grenzbereich von Bildender Kunst und Musik ein passender Name geprägt wird, den der angloamerikanische Kulturraum mit der Vokabel „Sound Art“ bereits etwas früher gefunden hat. Klangkunst ist Kunst und Klang, ist die gleichberechtigte Verbindung von Klang/Geräusch mit visueller Objektkunst. Zumindest in den Anfängen der neuen Artistik ist dies so, in der eine vielfach erweiterte Idee von Skulptur mit einer ebenso erweiterten Vorstellung von Musik einhergeht, in der Optisches und Akustisches untrennbar miteinander verschmelzen. Nach nun mehr als zwanzig Jahren des Werdens dieser intersensorischen Kunst hat sich auch der Begriff Klangkunst erweitert. Er meint heute jene Vielfalt und Vielzahl künstlerischer Spielarten, für die das traditionelle Vokabular nicht mehr ausreicht und für die noch kein eigenes gefunden worden ist. So kann Klangkunst das sein, was stumm uns anschreit, aber auch das, was leise oder laut tönt, ohne dass die Optik der Umgebung verändert worden wäre. Der Raum sieht aus wie gewöhnlich, doch jetzt klingt hier irgendwas. Der Ort ist in seiner Spezifik akustisch inszeniert und deswegen nicht mehr der, der er zuvor gewesen ist. Das hörbare Geschehen nun Musik zu nennen, wozu uns allen John Cage vor über fünfzig Jahren die Lizenz erteilt hat, griffe allerdings zu kurz. Denn nur ums Hören geht es in diesen Arbeiten nicht. Man soll zugleich neu sehen, den Raum mittels der akustischen Extras neu erkunden, als Plastik erleben. Klangkunstarbeiten können medial gebunden sein, sich etwa im/als Video oder Film manifestieren, können virtuell im Internet stattfinden. Alles Fragen der Inszenierung: Wie bildhaft oder haptisch sind die Klänge? Wie hörbar sind die Gesten, Motive, Sichtwelten? Wie sind sie miteinander verknüpft? Welchen Freiraum, welche Eigenzeit ermöglichen sie dem Besucher? Klangkunst heute – das ist ein begrifflich schwieriges wie phänomenologisch schier unüberschaubares Metier. Eine Systematik der klingenden Objekte und tönenden Räume gibt es bislang nicht. Das wäre wohl auch noch zu verfrüht. „Kinder, schafft Neues“, forderte einst Robert Schumann. Die facettenreichen Zeit-Raum-Material-Schnittstellen der Klangkunst, die multisensorischen Installationen platzieren neue Qualitäten. Entdecken, Staunen, Spüren, anderes Sehen, anderes Hören... – die prämierten und nominierten Arbeiten des Deutschen Klangkunst-Preises, den das Kulturradio WDR 3 und das Skulpturenmuseum Glastenkasten Marl im Jahr 2004 zum zweiten Mal vergeben haben, laden dazu ein. Zwölf KünstlerInnen, darunter Rolf Julius, der Ehrenpreisträger des Deutschen Klangkunst-Preises 2004, präsentieren bei der SoundART Köln 2004 den aktuellen Stand eines zukunftsweisenden neuen Kunst-Klangs. Stefan Fricke |